AD82.60-P-2000-04A Funktionshinweise Radio (RD)    

UKW- und UKW-Stereo-Empfang in fahrenden Fahrzeugen
Seit Einführung von Stereo-Radio-Anlagen in Personenwagen wird verschiedentlich gestörter Stereo-Empfang beanstandet. Diese Störungen beruhen jedoch nicht - wie in fast allen Fällen angenommen wird - auf einem Fehler am Fahrzeug oder am Radiogerät bzw. an der Empfangsanlage, sondern sind auf die Besonderheiten des Ultrakurzwellen-Empfangs zurückzuführen.

Aus diesen Gründen geben wir Ihnen diese Hinweise, die eine Beurteilung von Beanstandungen erleichtern und unnütze Fehlersuche vermeiden sollen.

Feldstärkeverhältnisse
Durch die Eigenart der Ultrakurzwellen, sich geradlinig auszubreiten, ist theoretisch nur ein direkter Empfang zwischen Sender und Empfänger möglich. Praktisch folgen die Ultrakurzwellen jedoch etwas der Erdkrümmung, wobei sie von Bauwerken aller Art und Bodenerhebungen gebrochen bzw. reflektiert werden.
Das hat zur Folge, daß Feldstärkenverzerrungen auftreten, die von Senderabschattungen hervorgerufen werden. Während bei
stationären Anlagen mit gleichbleibenden Feldstärkeverhältnissen gerechnet werden kann, schwanken diese im fahrenden Fahrzeug ständig mit unterschiedlicher Intensität.
  Das Feldstärkediagramm zeigt einen solchen Feldstärkeverlauf. In einer Großstadt z. B. können innerhalb weniger Meter Signalunterschiede bis zu einem Verhältnis von 1:1000 auftreten.

Die unterschiedlichen Feldstärkeverhältnisse sind für den Stereo-Empfang von besonderer Bedeutung, weil dabei ein dreimal größeres Frequenzband als beim Mono-Empfang benötigt wird.

Daraus ist ersichtlich, daß bei Stereo-Empfang zum "Rauschen" auch ein dreimal größeres Frequenzband beiträgt als bei Mono-Empfang. In der Praxis ist deshalb für einen störungsfreien (rauschfreien) Stereo-Empfang eine etwa zehnfache Feldstärke erforderlich.
In Gebieten mit ungünstigen Feldstärkeverhältnissen kann Stereo-Empfang, z. B. durch Abschattungen, bedeutend leichter gestört werden als Mono-Empfang. Es ist auch möglich, daß ein soeben eingestellter Sender plötzlich "weg" ist. Die Ursache solcher Störungen ist kein Defekt oder Fehler am Empfangsgerät, sondern durch Empfangsverhältnisse bedingt.





Reflexion
Durch Reflexion, die als die häufigste Empfangsstörung gilt, können Störgeräusche und Empfangsverzerrungen verursacht werden. Sie entstehen, wenn ein direktes und ein reflektiertes Signal eines Senders zugleich empfangen werden. Die auf der eingestellten Sendefrequenz empfangenen Signale sind dann ein Mischprodukt und u. U. durch Laufzeitunterschiede phasenverschoben, so daß Verzerrungen des NF-Signals auftreten, die deutlich hörbar sind. Dieser Vorgang ist, da er nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen auftritt, meist sehr kurz, in seiner akustischen Wahrnehmung aber ausgeprägt und kann beim langsamen Durchfahren von Reflexionsstrecken deutlich reproduziert werden. Die Signale überlagern sich und löschen sich dabei gegenseitig aus.

Sonstige Störungen
Die Fahrzeugantenne nimmt nicht nur Sendersignale sondern auch Störsignale auf, die durch Störquellen außerhalb des Fahrzeuges oder von dem Fahrzeug selbst verursacht werden können. Ist die Entstörung am Fahrzeug in Ordnung, so kann auch ein zu schwaches Nutzsignal eine Störung hervorrufen. Beträgt die Nutzspannung am Empfängereingang ein Mehrfaches der Störspannung, so werden die Störungen im UKW-Bereich völlig unterdrückt.
  Ist dagegen die Störspannung etwa in gleicher Größenordnung wie die Nutzspannung oder sogar höher, was
z. B. bei Einstellung eines schwachen Senders sein kann, dann treten die Störungen beim Empfang besonders stark in Erscheinung. Gegen diese Störungen gibt es keine technischen Abhilfe, man muß auf einen anderen Sender umschalten.

Störungen im Radio durch Kurzzeitstörer
Der zu einer wirksamen Entstörung von Kurzzeitstörern z. B. Signalanlagen, Magnetventilen, elektrisch verstellbare Außenspiegeln, Scheibenwaschwasserpumpe erforderliche Aufwand steht in keinem Verhältnis zur erzielbaren Wirkung und wird deshalb im werkseitigen Entstörungsumfang nicht berücksichtigt. Bei Störungen durch diese Verbraucher kann darauf hingewiesen werden, daß sie sowieso nur dann auftreten, wenn die Verkehrssituation erhöhte Aufmerksamkeit fordert, so daß in dieser kurzen Zeit eine Beeinträchtigung des Rundfunkempfanges hingenommen werden kann.

In Einzelfällen ist eine nachträgliche Entstörung möglich. Diese Arbeiten sind aber sehr zeitaufwendig und für den Kunden kostenpflichtig.

Weitere Hinweise siehe Betriebsanleitung Radio.